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Talent und gymnasiale Ausbildung

Sie betreiben Fussball als Spitzensport, spielen virtuos Klavier oder nehmen an Bio- oder Informatikolympiaden teil: Dank Fördermassnahmen können Sarganser Kantischüler Talent und Ausbildung unter einen Hut bringen.


"Ich kann an der Kanti Schule und Sport gut mit einander verbinden", sagt Fabio Lymann. Er besucht die 3. Klasse des Gymnasiums und spielt neben der Ausbildung intensiv Fussball. Lymann verfügt über eine Talents Card von Swiss Olympics, was für die Kantonsschule eine Voraussetzung dafür ist, dass Sporttalente in den Genuss von Fördermassnahmen kommen. DochLymann weist noch auf einen anderen Punkt hin: "Meine Leistungen in den ver-schiedenen Fächern müssen mindestens genügend sein". Nur so wird der Kantischüler, der bisher Mitglied der U18 Südostschweiz war und nächste Saison beim FC Chur spielt, beispielsweise im Februar für die Teilnahme an einem Trainingslager in Lara-Antalya (Türkei) beurlaubt.

 

Motivierte Sporttalente

Die Schule setzt neben einem genügenden Notendurchschnitt voraus, dass die Talente den verpassten Stoff selbständig nacharbeiten und Prüfungen in Absprache mit den Lehrpersonen nachschreiben. "Das erfordert von den Jugendlichen viel Selbstdisziplin und Selbstorgan-isation, aber es klappt in der Regel gut", sagt Jörg van der Heyde, Prorektor des Gymnasiums an der Kantonsschule. "Sporttalente sind grundsätzlich sehr motiviert und setzen alles daran, dass sie neben der Schule auch ihren Sport ausüben können."

 

Falls in einer Sportart die Trainingsstunden und Urlaube ein bestimmtes Mass überschreiten, müssen die Schüler jedoch an ein Sportgymnasium oder eine Mittelschule mit Sportklasse wechseln. In den letzten Jahren war dies allerdings nur selten der Fall. So konnten Schülerinnen und Schüler, die Fussball, Orientierungslauf, Eisklettern, Unihockey, Schiessen oder gar Autorennfahren als Spitzensport betrieben, stets ihre Ausbildung an der Kanti Sargans abschliessen. Wer jedoch im alpinen Skirennsport aktiv ist, kann aufgrund der intensiven Trainings und des engen Terminplans für die FIS-Wettbewerbe kaum mehr die Kanti Sargans besuchen.

 

Doch eine Talentklasse?

Nicole Lymann, Mutter von Fussballspieler Fabio, weiss es zu schätzen, dass Jugendliche ihr Talent und ihre Ausbildung an der Kantonsschule Sargans unter einen Hut bringen können und nicht gleich an eine Sportschule wechseln müssen. Vor ein paar Jahren hat bereits ihr Sohn Philippe, der Skicross betrieb, die Wirtschaftsmittelschule erfolgreich abgeschlossen. Dass die Kantonsschule talentierten Jugendlichen Ausbildung und Sport ermögliche, sei nicht selbstverständlich, so Lymann, denn "für die beteiligten Lehrpersonen bedeuten die Abspra-chen und die Nachprüfungen doch einen nicht unerheblichen Zusatzaufwand".

 

Nicole Lymann, die zugleich Präsidentin von BASE (Nachwuchsverband Snowboard Ost-schweiz) ist und im Skiverband Sarganserland-Walensee die Snowboard-Sportler betreut, regt dennoch an zu prüfen, ob die Kanti Sargans nicht doch eine Talent-Klasse führen will. In einer solchen Klasse könnten nicht nur Sportlerinnen und Sportler, sondern auch talentierte Musikerinnen und Musiker ihre gymnasiale Ausbildung absolvieren, und zwar allenfalls mit einem Zusatzjahr. Gemäss Jörg van der Heyde gab es bisher an der Kanti Sargans nicht genügend Schülerinnen und Schüler für eine eigene Talentklasse. Zudem müsste noch geklärt werden, ob die Kosten für die Betreuung der Talentschüler einem Pool entnommen werden können.

 

Förderlektionen Musik

An der Kantonsschule werden nicht nur Sporttalente gefördert, sondern auch talentierte Musikerinnen und Musiker. Wer ein Instrument virtuos beherrscht und beim halbjährlich stattfindenden Prüfungsvorspiel eine sehr gute Note erzielt, kommt zusätzlich in den Genuss einer wöchentlichen Förderlektion. "Dies veranlasst mich, noch mehr zu üben", sagt Vanessa Meyer, die Klavier auf einem bereits sehr hohen Niveau spielt. Und wenn mit der zusätzlichen Lektion nicht Druck verbunden sei, sondern Motivation, so mache man dank der Förderung wirklich grosse Fortschritte. Gegenwärtig profitieren zehn Schülerinnen und Schüler von einer ganzen oder einer halben Förderlektion Musik.

 

Wissenschaftliche Talente

Talente fördert die Kantonsschule ausser im Sport und in der Musik auch in den wissen-schaftlichen Disziplinen. So motivieren Lehrpersonen der Kanti alljährlich Schülerinnen und Schüler dazu, die Tests für die Wissenschaftsolympiaden z. B. in Biologie, Mathematik, Informatik oder auch in Philosophie zu schreiben. Die schweizweit besten Schülerinnen und Schüler pro Disziplin werden zu einer Trainingswoche eingeladen, an deren Ende dann jene Jugendlichen ermittelt werden, die an der Finalrunde teilnehmen können. In der Finalrunde werden die Gold-, Silber- und Bronzemedaillen vergeben. Die Erstplatzierten dürfen schliess-lich die Schweiz international an den Wissenschaftsolympiaden vertreten.

 

"Es war cool"

Im letzten Schuljahr hat ein Schüler der Kanti Sargans an der Finalrunde eine Bronzemedaille in Philosophie gewonnen, ein anderer gar eine Bronzemedaille in Biologie und zugleich auch in Informatik. In diesem Jahr gehören bisher Manuel Good, Zoe Kok und Jerome Trachsel, die nächsten Sommer die Matura absolvieren werden, schweizweit zu den besten Biologie-Talenten. Sie wurden in diesem Herbst von der Schule für ein Vorbereitungslager im Kanton Bern freigestellt. "Die Trainingswoche war randvoll mit Vorlesungen und Selbststudium", erzählt Manuel Good und findet: "Es war anstrengend, wir haben viel gelernt, aber es war auch cool".

 

Daniel Kaeser, Prorektor WMS/IMS

 

Bildlegende:

Mit Schulrucksack und Sporttasche: Kantischüler Fabio Lymann kann Spitzenfussball und Ausbildung erfolgreich miteinander verbinden. (Bild: Ursi Egert)

 

(aus: Schule Sarganserland, in: Sarganserländer vom 5. Dezember 2019)


KantiSargans - Talent und gymnasiale Ausbildung (05.12.2019 10:21)


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