Accesskeys

Jubiläumskonzerte: Der Funke sprang über

Chor

Das Jubiläumskonzert «50 Jahre Kanti Sargans» berührte und begeisterte das Publikum. In der Klosterkirche Pfäfers erklangen Mozarts Krönungsmesse und eine grossartige Uraufführung von Jürg Hanselmanns Kantate «In Sand geschrieben».


Das Können und die Begeisterung der Konzertierenden fanden ihr Echo in einer Standing Ovation. Das Wagnis der beiden verantwortlichen Musiklehrer Jürg Hanselmann und Harri Bläsi, etwas Neues für das Jubiläum der Kantonsschule Sargans zu schaffen, ist optimal gelungen. Der Funke ist aufs Publikum übergesprungen.

Erstmals für die Öffentlichkeit erklang unter Harri Bläsis Stabführung am Freitagabend «In Sand geschrieben», nach Gedichten von Hermann Hesse, mit einem 130-köpfigen Chor und dem Sinfonieorchester Liechtenstein. Als hervorragende Solisten wirkten mit: Bea Rütsche-Ott (Sopran), Esther Bläsi-Huber (Sopran), Maria Victoria Haas (Mezzosopran), Joachim Oberholzer (Tenor), Mattias Müller (Bass), Seline Jetzer an der Harfe und am Cembalo der Komponist Jürg Hanselmann. Für die Krönungsmesse spielte das Schülerorchester der Kantonsschule mit.

 

Zuversicht und Trost

Dieser erstklassige Konzertabend fand seine Eröffnung in Claudio Monteverdis Toccata zu «L’Orfeo». Damit entschied sich Harri Bläsi spontan für eine fanfarenartige Einstimmung ins 50-Jahr-Jubiläum. «Da wir über ein so tolles Ensemble verfügen, packte er die Gelegenheit beim Schopf», verriet Jürg Hanselmann.

In Mozarts Krönungsmesse, 1779 komponiert, zeigten Chor, Orchester und Solisten die ganze Palette ihres Könnens: majestätische Getragenheit, lyrische Zärtlichkeit, Dynamik, epische Breite, Schnelligkeit. Ausklingend im «Agnus Dei» bat der Sopran als erste Stimme das Lamm Gottes, sich zu erbarmen und die Sünde der Welt hinwegzunehmen, die weiteren Solisten folgten, dann der Chor, und ein umfassendes, grosses Finale schloss den ersten Teiles mit «Dona nobis pacem» ab.

Im instrumentalen Vorspiel von Jürg Hanselmanns Kantate «In Sand geschrieben » schienen Motive des ersten Gedichtes anzuklingen und das Publikum einzustimmen: «Musik des Weltalls und Musik der Meister sind wir bereit, in Ehrfurcht anzuhören.» Chorisch, solistisch und in absoluter Überzeugung fand das erste Gedicht seine musikalische Umsetzung und legte Zuversicht und Trost in die Herzen der Zuhörenden: «Und keiner kann aus ihren Kreisen fallen als nach der heiligen Mitte hin.» Hesses Texte waren gross auf Monitor mitzulesen, wodurch sich Ton- und Schriftsprache in Klang und Bild die Hand gaben.

 

Das Leben und seine Fragen

Das Duale, das Zwiegespräch von Gott und Welt, von Tun und Denken im Gedicht «Weg nach innen» brachte Jürg Hanselmann zum Ausdruck als Ballade, komponiert für Alt- und Tenorsolo und für Harfe in dunklem b- Moll. Nach diesem innig lyrischen Verweilen folgte mit einem Tutti-Einstieg die vierte Nummer, das Gedicht «Bekenntnis ». Die musikalische Entwicklung floss im Einklang mit Hesses tastenden Schritten zu: «Solche Bilderschrift zu lesen, wird mir stets das Leben lohnen, denn das Ewige, das Wesen, weiss ich in mir selber wohnen.» Das folgende instrumentale Intermezzo «In Gedanken» bereitete auf das Titelstück «In Sand geschrieben» vor. Thema dieses Gedichtes ist letztlich die Vergänglichkeit. Zu vernehmen war der unaufhörliche Lebenspuls. Das Orchester, die fünf Solisten, der Chor: Alle suchten anhand von Hesses Sprache, geführt von Hanselmanns Musik, nach Antworten. All das Aufblühende und Vergehende, das, was verloren geht und weh tut, strömte ins offene, versöhnliche Ende: «Wir lieben, was uns gleich ist, und verstehen, was der Wind in Sand geschrieben.»

«Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben» Wer kennt nicht diese Zeilen aus Hesses «Stufen»? Trifft ein Meister der Sprache auf zwei Meister der Musik, legt sich ein Zauber über alle und alles. Dennoch kommt der Moment, die Welle fliesst zurück ins Meer und Abschied muss genommen werden. Nach so einem Konzert ist man reich beschenkt und bereit für: «Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!»

 

(Quelle: Text Sarganserländer, 29.04.2013, Dorothea Hartmann; Bild: KSS, Barbara Broder)

 


KantiSargans - Jubiläumskonzerte: Der Funke sprang über (30.04.2013 10:23)


Servicespalte